Erfolgreiche Menschen kennen ihre Werte

Wie entsteht Motivation und wie gelingt es uns, selbst schwierigste Pläne in die Tat umzusetzen? Hier kommen ein paar mögliche Antworten:

 

  • Ich besiege regelmäßig meinen inneren Schweinehund
  • Ich werde Mitglied im Fitness-Studio - wenn ich das durchhalte, gelingt auch der Rest
  • Ich gewinne die Million bei Günter Jauch - wird schon klappen
  • Ich lese ein Buch über Selbstdisziplin
  • Ich buche einen Personal Trainer
  • Ich denke ab sofort nur noch positiv und werde dann automatisch reich
  • Ich nehme mir einfach nichts mehr vor; dann kann auch nichts schiefgehen

 

War da eine passende Antwort für Sie dabei? Die Alternativen lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen:

 

  1. Positives Denken
    
‚Denke nach und werde reich‘ heißt ein Klassiker der Selbsthilfe- und Motivations-Literatur. Und es gibt noch tausende weitere Bücher, die uns glauben lassen, dass wir dann alle unsere Ziele erreichen, wenn wir nur stark genug an unseren Erfolg glauben. Wenn es nicht klappt, dann waren wohl unsere Gedanken nicht positiv genug. Zum Glück hat die Psychologie längst herausgefunden, dass Menschen, die nur positiv denken, ihre Ziele nicht besser erreichen als andere (1). Der Grund: unser Unterbewusstsein spielt uns einen Streich. Wenn wir uns das Ziel in den schönsten Farben ausmalen, stellt sich ein Gefühl ein, als hätten wir unser Ziel schon erreicht. Und dann signalisiert uns das Unbewusste, dass wir uns entspannen können und die Handlungsenergie sinkt. Dumm gelaufen. Aber zum Glück gibt es ja noch die zweite Fraktion:

  2. Selbstdisziplin trainieren
    
‚Die Macht der Disziplin‘  heißt hier ein bekanntes Buch, das uns erklärt, dass wir unsere Disziplin wie einen Muskel trainieren können. Erreichst Du dann Deine Ziele nicht, warst Du zu schwach. Diesem Irrglauben sitzen viele Menschen auf, die an Diäten scheitern. Anstatt der Diät die Schuld zu geben, glauben Diätfrustrierte häufig, dass sie versagt haben. Sie haben einfach nicht ausreichend Disziplin. Und dann gibt es ja auch noch all die Menschen, die durchhalten, die abnehmen, die aufhören zu rauchen, die Marathon laufen usw.. Haben die nicht viel mehr Disziplin als ich? - Schon wieder ein Irrtum. Auch hier hat die Psychologie herausgefunden, dass Selbstdisziplin auf Dauer nicht durchgehalten werden kann. Was spricht gegen die Selbstdisziplin? Die Psychologin und Bestsellerautorin Maja Storch schreibt dazu (2): „Bei der Selbstkontrolle (Anm. Stephan Kowalski: Selbstkontrolle und Selbstdisziplin meint hier dasselbe) hemmt der Verstand die Impulse des Unbewussten. Dies ist extrem anstrengend und energieaufwendig. …. Es gibt fünf Bedingungen, unter denen der Verstand nicht arbeitsfähig ist und die Selbstkontrolle zusammenbricht.“ Wenn Sie Ihre Vorsätze nicht durchhalten, ist also nicht der innere Schweinehund aktiv, sondern es handelt sich - wie Maja Storch schreibt - um einen ganz normalen biologischen Vorgang.

 

Was ist dann der beste Weg, um seine Ziele zu erreichen?

 

Die Neurowissenschaften liefern dafür eine simple Erklärung: wir haben dann die höchste Handlungsenergie, wenn sowohl unser Verstand als auch unser Gefühl (= unser Unbewusstes) zu einem Ziel ja sagen. Wenn also ein Ziel nicht nur vernünftig ist, sondern sich auch gut anfühlt. Nur wenn wir mit dem Ziel starke positive Gefühle verbinden, haben wir die besten Chancen, es auch zu erreichen. Das ist leider nicht so einfach, wie es sich anhört. Denn bei vielen Zielen sagt unser Verstand zwar ja, aber das Unbewusste sendet negative Signale. Ein gutes Beispiel hierfür sind die berühmten Neujahrsvorsätze. Oft handelt es sich dabei um sehr vernünftige Ziele (mehr Sport treiben, weniger Rauchen, mehr Zeit für die Familie usw.). Trotzdem halten viele diese Vorsätze nicht durch. So weiß z.B. jeder Raucher, wie ungesund sein Laster ist. Solange jedoch das Unbewusste beim Rauchen positive Gefühle sendet (vielleicht erinnert sich das Unbewusste an das Gefühlt der Freiheit, das damals mit der ersten Zigarette erlebt wurde), ist es sehr sehr schwer aufzuhören. Die Psychologie hat mittlerweile verschiedene Techniken hervorgebracht, wie es uns gelingen kann, unseren Verstand und unser Gefühl auf Linie zu bringen. Einige dieser Methoden werde ich in diesem Blog vorstellen.

 

Bevor es jedoch an die Umsetzung dieser verschiedenen Techniken geht, kommen unsere Werte ins Spiel. Unser Unbewusstes, dass für den Großteil unser Handlungen verantwortlich ist, äußert sich über Körperempfindungen. Wenn wir auf unser Unbewusstes hören wollen, müssen wir deshalb auf unseren Körper hören. Das ist ein alter Hut, wie viele Sprichworte und Redewendungen zeigen. Ständig liefert uns unser Körper Signale aus dem Unbewussten, ob es der Kloß im Hals ist oder die Schmetterlinge im Bauch.

 

Was haben diese Emotionen nun mit Werten zu tun? Der Philosoph Michael Bordt schreibt dazu (3): „Wir reagieren emotional nur dann, wenn etwas auf dem Spiel steht, das uns wertvoll und wichtig ist.“ Diesen Satz lesen Sie am besten nochmal. Gefühle helfen uns danach nicht nur, unser Unbewusstes zu verstehen, sondern sind auch ein Hinweis auf unsere Werte. Denn das, was uns wertvoll und wichtig ist, sind nach der Definition von Michael Bordt unsere Werte.

 

Völlig egal, welche Methode Sie nutzen, um sich zu motivieren: wenn Sie Ihre Werte nicht kennen, wird es schwierig werden, durchzuhalten. Aus Ihren Werten können Sie Ihre Ziele ableiten.

 

Menschen, die schwierige Ziele erreichen, verfügen damit nicht über mehr Selbstdisziplin als andere Menschen, sondern haben es geschafft, ihre Ziele mit ihren Werten zu verbinden. Sie können für sich die Frage beantworten, warum Sie das tun, was sie tun. Sie haben den tieferen Sinn in Ihrem Handeln gefunden. Unsere Werte sind damit unsere wichtigste Motivationshilfe.

 

Literaturtipps

(1) Gabriele Oettingen: Die Psychologie des Gelingens, Droemer TB 2017

(2) Maja Storch, Frank Krause: Selbstmanagement - ressourcenorientiert, Huber 2014

 

(3) Michael Bordt SJ: Die Kunst, sich selbst zu verstehen, E. Sandmann Verlag 2015

 

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